Helmut RennschuhElisabeth Rennschuh

Mitglied im Alexander-Technik-Verband Deutschland e.V.

Helmut Rennschuh

Meine Sicht auf die Alexander-Technik

Östliche Weisheitslehren

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt mich die Frage, wie wir Menschen zu einem erfüllten, stimmigen und glücklichen Leben finden. Östliche Weisheitslehren zeigen verschiedene Wege auf, die Körper, Geist und Seele verbinden. Sie führen aus der Hektik des Alltags in die Stille und ermöglichen dem gestressten Menschen, Achtsamkeit und Bewusstsein zu entwickeln, damit sich sein wahres Potenzial entfaltet. Zen, Yoga oder Chi Gong haben inzwischen einen festen Platz in der westlichen Gesellschaft eingenommen.

Der westliche Zen-Weg

Bis heute ist kaum bekannt, dass es auch einen westlichen Weg gibt, der ganzheitlich ist und in hohem Maße zu Bewusstheit und Achtsamkeit führt. Dieser Weg kommt ohne philosophischen und weltanschaulichen Überbau aus und weist direkt auf den Alltag. Es ist die Alexander-Technik, die als eine Kunst des Nicht-Tuns an die taoistische Lehre vom Wu Wei erinnert und auch als westlicher Zen-Weg beschrieben wird.

Pionier eines neuen Bewusstseins

F.M. Alexander (1869-1955) gehört – wie George Gurdjieff, C.G. Jung oder Sri Aurobindo – zu den Pionieren eines neuen Bewusstsein, die vor über 100 Jahren das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele entdeckt haben. Schon in jungen Jahren ist Alexander zu der Erkenntnis gelangt, dass der Mensch den Anforderungen der „modernen Zivilisation“ nicht gewachsen ist, solange er unbewusst bleibt und sich von seinen Instinkten leiten lässt.

„A new way of living“

Die Alexander-Technik ist eine Schulung von Bewusstsein. Wenn der Mensch „aufwacht“ – „Wake up“ war ein geläufiger Ausspruch von Alexander – ist es ihm möglich, ein Leben zu leben, das ihm wirklich entspricht. Da in der Alexander-Technik der Weg das Ziel ist, handelt es sich um eine Lebensschulung im umfassenden Sinn. Alexander spricht von „a new way of living“, das den ganzen Menschen und sein Dasein in der Welt meint. Er sieht diesen Weg als den nächsten Schritt in der Evolution des Menschen.

„Thinking in activity“

Alexander selbst führte ein erfülltes Leben. Walter Carrington, sein langjähriger Assistent, bezeichnet ihn als ein „Individual’s Individual“ – als einen Mensch, der sein einzigartiges Potenzial lebte und anderen einen Weg zeigte, ihr eigenes zu entfalten. Sein „Thinking in activity“ erinnert an Eckhart Tolles „erwachtes Handeln“. Es zeichnet sich dadurch aus, dass das Bewusstsein Regie führt. „Du wirst bald merken, dass alles, was du im Zustand einer solchen gesteigerten Bewusstheit tust, (…) zur Freude für dich wird.“ Eckhart Tolle in Eine neue Erde

Der Spaß beim Experimentieren

Am Ende seines Lebens hat Alexander zu seiner Nichte, Marjory Barlow, gesagt: „You know dear, I‘m always happy.“ Vermutlich ist es dieser Zustand gesteigerter Bewusstheit, der Alexander glücklich gemacht hat. In einen ihren berühmten Vorträge beginnt Marjory Barlow mit dem Satz: „Shall I tell you something? The Alexander Technique is meant to be fun.” Der Spaß kommt beim Experimentieren. Jeden Augenblick neu zu erleben, das ist der Weg zu einem erfüllten, stimmigen und glücklichen Leben.