Alexander-Technik

Frederick Matthias AlexanderDie von F.M. Alexander bereits vor über hundert Jahren entwickelte Methode arbeitet mit einer bestimmten Art von Aufmerksamkeit, die uns durch Innehalten und bewusste Ausrichtung zu natürlichen Bewegungs- und Haltungsformen zurückfinden lässt. Dabei werden einengende Gewohnheitsmuster und daraus entstandene Verspannungen im Körper Stück für Stück aufgelöst.

Durch die Alexander-Technik können wir lernen, aus dem Weg zu treten, um gewohnte, ungünstige Reaktionsweisen sowie gewolltes, mühevolles Tun durch ein bewusst herbeigeführtes Geschehenlassen zu ersetzen. Dies Geschehenlassen führt zu ungestört ablaufenden Bewegungen sowie mühelosem Aufrecht-Sein, da es mit den natürlichen Gegebenheiten im Einklang steht. Man nennt es Nicht-Tun.

Tierbild Kleinkind Kleinkind

„Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder … “ Matth. 18

Wilde Tiere und kleine Kinder besitzen eine fein abgestimmte Balance in ihrem Körper. Kein Muskel arbeitet zu viel, keiner zu wenig. Der Kopf balanciert frei auf der Wirbelsäule. Die Arme und Beine bewegen sich leicht und gut unterstützt von einem weiten Rücken. Diese Weite gibt den inneren Organen viel Raum. Selbst bei großer Anstrengung bleibt bei wilden Tieren der Rücken lang und weit und der Kopf wird nicht zurück zum Körper gezogen.

Kind und Erwachsener Kind und Erwachsene Kinder in Schule

„ … solche Missgriffe sind unvermeidlich, seitdem wir
vom Baum der Erkenntnis gegessen haben.“
Kleist: über das Marionettentheater

Dem heranwachsenden Menschen geht diese körperliche Verfassung nach und nach verloren. Eine sich ständig verändernde Umwelt, eine Flut von Sinneseindrücken, Lärm, Hektik, einseitige Belastungen in Schule und Beruf (besonders langes Sitzen) und Vorbilder mit ungünstigen Verhaltensweisen beeinträchtigen die Entwicklung und bringen den Körper und den Menschen als Ganzes aus dem Gleichgewicht. Die früher automatisch ablaufende, gut funktionierende Körpersteuerung wird verdrängt von Reaktionsweisen, bei denen sich der Mensch an seine Umwelt verliert und blind auf Reize reagiert.

„ … müssen wir wieder vom Baum der Erkenntnis essen, …“
Kleist: über das Marionettentheater

Egal welches Anliegen uns zur Alexander-Technik bringt (für wen geeignet?). Sie ist in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. In ähnlicher Weise wie Alexander selbst seine Stimmprobleme löste, kann man lernen, durch die von ihm entwickelte Art von „Denken“ seine gewohnten Handlungs- und Haltungsmuster zu ändern. John Dewey nannte es „thinking in activity“. Es besteht – vereinfacht gesagt – in einem Innehalten vor der Handlung und eine bewusste Ausrichtung vor und während der Handlung.

Es ist als würden wir durch diese Methode eine Lücke im Feld unserer Achtsamkeit schließen. Üblicherweise schenken wir unsere Aufmerksamkeit ganz unserer Außenwelt und verlieren uns dabei in ihr: dem Computer, dem Ziel, das wir verfolgen, oder dem Menschen, mit dem wir sprechen. Wenn wir mehr und mehr lernen uns selbst bewusst auszurichten, bekommen unsere Handlungen, aber auch unsere Präsenz, eine andere Qualität.

Die Qualität, die entsteht, zeichnet sich durch Natürlichkeit, Leichtigkeit und Einfachheit aus:
Die Natürlichkeit sehen wir beim kleinen Kind und bei Tieren – besonders bei wildlebenden Tieren oder Hauskatzen. Sie zeigt sich in einer besonderen Geschmeidigkeit, weichen Bewegungen, sowie Länge und Weite des Körpers in der Bewegung. Die Balance des Kopfes auf der Wirbelsäule spielt dabei eine wichtige Rolle: Der Kopf führt die Bewegung, genauso wie er die natürliche Aufrichtung erzeugt. Auf diese Natürlichkeit bezieht sich auch Heinrich von Kleist in seinem Aufsatz „Über das Marionettentheater“.

Das Gefühl von Leichtigkeit entsteht durch eine mühelose natürliche Aufrichtung, welche durch eine Aktivierung unserer Stützmuskulatur erzeugt wird. Alle unnützen und störenden Muskelaktivitäten können nach und nach aufhören. Es handelt sich um eine fein abgestimmte Muskelarbeit, bei der kein Muskel zu viel, aber auch keiner zu wenig arbeitet. Gesteuert wird diese wesentlich über die freie Balance des Kopfes auf der Wirbelsäule. Alexander nannte sie Primärkontrolle. Das ist die Einfachheit der Arbeit.

Unsere großen Vorbilder sind die kleinen Kinder, allerdings nur, was die Art ihrer Bewegungen angeht. Denn wir können uns dieser nur wieder annähern, indem wir eine andere Art von Aufmerksamkeit und Bewusstsein entwickeln. Wir müssen eben wieder vom Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen – so beschreibt es Kleist.

Was sich wie eine unlösbare Aufgabe anhört, ist ein Weg, den jeder, der an sich bewusst arbeiten möchte, gehen kann. Dieser Weg ist klar bezeichnet: Indem wir das Innhalten und das Geben der Anweisungen (bewusste Ausrichtung) lernen, bekommen wir Werkzeuge, mit denen wir unseren Leben im Alltag bewusster gestalten. Wie viel wir von diesem Potential nutzen, bleibt uns überlassen. Wir haben die Wahl, gerade so viel in unser Leben einfließen zu lassen, um bestimmte Probleme zu lösen – Rückenprobleme, Nackenbeschwerden, Schulterverspannungen, sowie andere Stress- und Überlastungssymptome – oder die Alexander-Technik zu einem ständigen Übungsweg zu machen, der uns immer wacher und präsenter durchs Leben gehen lässt.